Ich hoffe, dies ist nicht nur ein Thema für Hebammen, die mit ihrem Frau-Sein, den entsprechenden Körperausscheidungen und dem Umgang mit wieder verwendbaren Hygieneartikeln häufig ziemlich aufgeschlossen umgehen. Wer auch immer jetzt denkt, man kann´s auch übertreiben, der darf geflissentlich auf meinen nächsten Post warten, in dem geht es dann nämlich um gesellschaftsfähigere DIY-Projekte *grins*
Wer aber tatsächlich, genau wie ich, darüber ins Grübeln geraten ist, wieviel Müll frau nun eigenlich real vermeiden kann, wenn sie von den Einmal-Plastik-Dingern auf Stoffbinden oder auch Slipeinlagen umsteigt (letztere verwende ich gern, auch wenn ich ein *Aufsaugzäpfchen* drin hab, um auf Nummer Sicher zu gehen), dem kann ich das folgende Nähprojekt nur wärmstens ans Herz legen.
Als erstes braucht man eine Schablone, ich habe meine mit Lineal und Zirkel selbst gemacht, alles in allem bin ich mit der Form auch zufrieden, hier sind für Euch drei meiner verschiedenen Bindengrößen als PDF eingestellt:
Slipeinlage ( 8cm x 20 cm)
Mittelgroße Binde mit Inlay (10 cm x 20cm)
Große Binde mit Inlay (10 cm x 28cm)
Als Stoff eignet sich weicher Baumwollstoff jeglicher Art. Die Einlagen habe ich aus Moltonstoff zugeschnitten, für die größeren (Nacht-)Binden habe ich als Unterseite allerdings einen PUL (Polyester) verwendet, um ein Durchbluten zu verhindern. Bei den Slipeinlagen kann man auch den Molton selbst als Oberstoff verwenden, aber da meiner weiß ist, wollte ich ihn nicht für die eigentlichen Binden nehmen.
Man braucht also für eine Slipeinlage:
eine Oberseite
eine Unterseite
Und für eine richtige Monatsbinde
eine Oberseite
eine (PUL) Unterseite
und 5-6 Einlagen aus Molton, Flanell o.ä.
Zuallererst schneidet Ihr alle benötigten Stoffteile aus, dann beginnt Ihr das Nähen, indem Ihr die Einlagen mit einfachem Geradstich zusammen näht. Lasst einen gut 1 cm breiten Rand, damit hier gleich die nächste Naht noch drauf passt.
Diese zusammen gefügten Einlagen werden nun mit der Oberseite der Binde verbunden, indem Ihr sie einfach auf die linke Stoffseite des Oberteils näht. Ich kann nur raten, bei allen Schritten vorher sorgfältig abzustecken, damit auch nichts verrutscht.
Als nächstes legt Ihr dieses Paket (rechte Stoffseite unten) auf die rechte Stoffseite eures Unterteils und näht sauber mit ca 0,5cm Nahtzugabe beide Außenstoffe aneinander.
Wichtig: Lasst ein ca 3-4 cm breites Loch an einer Flügelseite offen, hier wird gleich die ganze Arbeit hindurch gewendet.
Vor dem Wenden könnt Ihr die Saumzugabe noch etwas zurecht stutzen, dann wird die Binde hinterher etwas glatter an den Rändern. Danach fasst ihr in die Öffnung und zieht – den gegenüberliegenden Flügel zuerst- die gesamte Binde durch die Öffnung.
Nachdem Ihr die Binde gewendet habt, steckt das offene Loch ab, hier wird dann gleich im nächsten Schritt mit drüber genäht.
Der letzte Nähschritt ist das Absteppen, hierbei wählt Ihr einen größeren Zickzackstich (ich brauchte mindestens 4 mm, vor allem bei den größeren Binden) und näht einmal komplett um den Außenrand herum. Schon fertig!
Für die Befestigung der Flügel, solltet Ihr an einer Unterhose testen, wie eng Ihr sie zuknöpfen möchtet (fester ist besser, damit hier nachher nichts verrutscht).
Dann könnt Ihr Euch Eure Druckknöpfe schnappen und den letzten Schritt in Sachen DIY-Stoffbinde angehen.
Ich muss sagen, ich bin wahnsinnig zufrieden mit dem Ergebnis, der Tragekomfort ist tausendmal besser als mit den ollen Plastikdingern. Nie wieder Always ultra, sag ich da nur!
Pflegehinweise für Stoffbinden habe ich hier gefunden, da können sich auch all diejenigen mit Stoffbinden versorgen, die selbst nicht nähen wollen oder können.
Für unterwegs habe ich lange nach einer passenden Anleitung für eine Bindentasche (Wetbag) gesucht. Fündig bin ich tatsächlich dann hier geworden und habe die Maße in der Länge den größten fertigen Binden angepasst. Die Anleitung selbst war aber wirklich spitzenklasse. Sogar den Reißverschluss habe ich beim ersten Mal problemlos hingekriegt. Auch hier habe ich übrigens PUL-Stoff für das Innenfach verwendet, dadurch kann ich unterwegs die Binde wechseln, kurz abspülen und alles trocken nach Hause transportieren.
Ein neues Lebensgefühl. Am meisten Plastik habe ich im vergangenen halben Jahr definitiv im Badezimmer vermieden. Das macht Lust auf mehr. Vielleicht konnte ich ja die eine oder andere inspirieren, in Sachen Monatshygiene neue Wege zu gehen. Möglicherweise gleicht das mein Karma in Sachen Wegwerf-Windeln ein wenig aus, haben wir doch die meiste Zeit über Windeln aus Maisstärke verwendet… *husthust* Aber hey, falls wir uns tatsächlich nochmal fortpflanzen sollten, bin ich ja inzwischen glücklicherweise zur Nachhaltigkeit konvertiert und dann gibt´s keine Ausreden mehr.
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